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Alicia & Andrea Wolfensberger

Kunsthaus Zug: Alicia hat eine Begegnung mit dem Kunstwerk "In Gedanken versunken" von Andrea Wolfensberger, und sie fragt sich, warum Andrea Wolfensberger den Schriftzug in Stein gemeisselt hat.
Alicia_photo

MINIPORTRÄT DES JUGENDLICHEN

Name: Alicia
Alter: 15 Jahre

Die Lieblingsglacesorte? Himbeer Cheesecake.
Was ist der Duft des Sommers? Abenddämmerung und Sonnenuntergang, und eine Mischung aus Gras nachdem es geregnet hat und der süssliche Geruch von alten Schulhäusern.
Der schönste Ort der Welt? Die Alpen und Budapest.

MINIPORTRÄT DES JUGENDLICHEN

Name: Alicia
Alter: 15 Jahre

Die Lieblingsglacesorte? Himbeer Cheesecake.
Was ist der Duft des Sommers? Abenddämmerung und Sonnenuntergang, und eine Mischung aus Gras nachdem es geregnet hat und der süssliche Geruch von alten Schulhäusern.
Der schönste Ort der Welt? Die Alpen und Budapest.

MINIPORTRÄT DES KÜNSTLERS

Name: Andrea Wolfensberger
Geburtsjahr: (*1961)
Website: http://andreawolfensberger.ch/

Die Lieblingsglacesorte? Mint mit Schokosplitter.
Was ist der Duft des Sommers? Lavendel.
Der schönste Ort der Welt? Da gibt es so wunderbare Kirchen aus dem 6. Jahrhundert im Umland von Rom, in denen es mir den Atem verschlägt. Diese Orte gehören zu den schönsten, die ich kenne.

AndreaWolfensberger_In_Gedanken_versunken

Foto Credits: "In Gedanken versunken", Andrea Wolfensberger, 1995, Inschrift auf Stein, Alpenquai, Beim Schiffsteg Bahnhof. Eigentümerin: Stadt Zug.

Künstler*: Andrea Wolfensberger (*1961)
Titel des Werks: In Gedanken versunken
Jahr: 1995
Technik: Inschrift auf Stein, Alpenquai, Beim Schiffsteg Bahnhof
Dimensionen: 15 x 188 cm
Ausstellungsort:

Kunsthaus Zug
Dorfstraße 27
6301 Zug

www.kunsthauszug.ch

MINIPORTRÄT DES KÜNSTLERS

Name: Andrea Wolfensberger
Geburtsjahr: (*1961)
Website: http://andreawolfensberger.ch/

Die Lieblingsglacesorte? Mint mit Schokosplitter.
Was ist der Duft des Sommers? Lavendel.
Der schönste Ort der Welt? Da gibt es so wunderbare Kirchen aus dem 6. Jahrhundert im Umland von Rom, in denen es mir den Atem verschlägt. Diese Orte gehören zu den schönsten, die ich kenne.

Transkript der Episode

Hallo, ich bin Alicia. Ich bin 15 Jahre alt und ich komme aus Cham in Zug.

Für mich ist Kunst die Realisierung von Emotionen in etwas Wahrnehmbaren zum Beispiel mit den Händen oder den Augen, und ihre Interpretation durch den Betrachter.

Heute habe ich eine Begegnung mit einem Kunstwerk des Kunsthauses Zug.

ALICIA: Grüezi, ich suche das Kunstwerk “In Gedanken versunken” von Andrea Wolfensberger. Können Sie mir sagen wo es ist?

EMPFANG MUSEUM: Es ist am Vorstadtquai, aber weiter vorne, weiter Westwärts. Guten Spaziergang!

ALICIA:

Also wir haben jetzt gerade das Kunsthaus verlassen, vorbei an der St. Oswald Kirche und der Bibliothek und wir gehen jetzt zum See hinunter. Über dem See liegt ein dichter Nebel und man sieht gar nicht weit. Wenn man nicht wüsste, dass es ein See ist, würde man denken dass es ein Meer ist.

Der Schriftzug ist von Andrea Wolfensberger erschaffen worden im Jahr 1995. Es ist eine Inschrift auf Stein am Alpenquai beim Schiffsstegbahnhof. Die Dimensionen sind 15 x 188 cm.

In Gedanken versunken ist definitiv das Gefühl, das man fühlt wenn man am Abend, oder je nachdem am Morgen am Alpenquai vorbei spaziert. Wenn es nicht so neblig ist wie jetzt, dann sieht man die Rigi, man sieht den Pilatus, manchmal sieht man sogar die Berner Alpen, wenn der Himmel genügend klar ist.

Es ist sehr interessant darüber nachzudenken, was der Künstlerin durch den Kopf ging. Weil wenn man nichts von der Geschichte weiss vom Alpenquai und den zwei Katastrophen, die hier stattgefunden haben, dann meint man natürlich dass es die Aussicht sein könnte – die Bewunderung der Landschaft, die Bewunderung der Gespräche die man führt, wenn man am See und der Landschaft vorbei geht.

Es lässt einem sehr viel Platz zum Interpretieren, nachzudenken was der Schriftzug bedeutet. Wie gesagt, haben hier zwei Katastrophen in der Stadt Zug am See stattgefunden. Die erste war im Jahr 1435, am 4. März, als eine ganze Passage versunken ist und es gibt sogar ein Märchen dazu von der Seejungfrau von Zug. Die zweite Katastrophe ist 1887 passiert und dazumals ist nochmals ein Teil der Stadt einfach im See versunken.

Hier sind meine Fragen an der Künstlerin:

- Ich frage mich, an was sie gedacht hat, als sie das Kunstwerk erschaffen hatte?

Mit welchem Gefühl sie in das Projekt hineingegangen ist und am Ende mit was für einem Gefühl sie das Projekt fertiggestellt hat. Und welche Emotionen sie damit vermitteln will?

- Was geht der Künstlerin durch den Kopf wenn sie an den Schriftzug denkt, “In Gedanken versunken”?

- Warum hat sie es in Stein gemeisselt? Sollte dies ein Symbol für die Ewigkeit sein? Für die Geschichte?

- Ich frage mich auch noch, ob die Künstlerin die Sage von der Seejungfrau gekannt hat und ob sie auch daran gedacht hat, als sie das Kunstwerk entworfen hat?

ALICIA WOLFENSBERGER:

Ciao Alicia, hier ist Andrea Wolfensberger. Ich habe jetzt gerade deine Sprachnachricht gehört und ich habe einfach nur Freude. Du hast meine Arbeit “In Gedanken versunken” so gut verstanden, dass ich dem eigentlich fast nichts mehr hinzufügen kann.

Ich möchte ganz kurz auf deine Fragen eingehen.

Du hast mich gefragt, was ich gedacht habe, als ich das Kunstwerk erschaffen hatte, mit welchem Gefühl ich in dieses Projekt hineingegangen bin, und mit welchem Gefühl ich das Projekt fertiggestellt habe.

Da musst du die Geschichte dazu kennen. Und zwar war es eine Anfrage tatsächlich zur Vorstadtkatastrophe. Ursprünglich hat man natürlich gedacht, dass man da ein Monument, also ein Denkmal macht – etwas Grossartiges, dass man dies nicht vergisst, dass man sich daran erinnert. Und ich wollte dies nicht. Ich habe meine Mühe mit so monumentalen Skulpturen. Ich wollte etwas Feinsinniges machen, das man entdecken kann, dass sich aber auch nicht aufdrängt. Sondern etwas das einfach da ist, so nebenbei, beiläufig im wahrsten Sinne des Wortes.

Und “In Gedanken versunken” nimmt natürlich ganz bewusst Bezug zum Versinken im See. Die versunkenen Stadtteile, die darunter liegen. Aber ein Werk spricht ja zu jemandem. Ich möchte ja jemanden ansprechen. Und ich möchte die Personen die ich anspreche dort abholen, wo sie sind.

Und wenn ich am See stehe – der ist ja so wahnsinnig schön, dem kann man gar nichts mehr hinzufügen mit seinen Stimmungen, mit den Lichtern, mit dem Wetter, mit allem – so dass ich einfach, wenn ich dort stehe, in Gedanken versinke. Und ich kann mir gut vorstellen, dass wenn man dort vorbei geht, man nicht über etwas konkretes nachdenkt, sondern sinniert, man einfach ist. Eine Atmosphäre eigentlich, die ich aufnehmen möchte.

Es ist ja ein Zustand, den ich beschreibe. Ich nehme an diese Menschen, die da vorbeigehen, sind in Gedanken versunken, die dann vielleicht per Zufall diese kleine Inschrift am Boden entdecken. Und dann hoffe ich, dass sich Welten öffnen in diesen Personen. So wie es bei dir passiert ist.

Ich habe es in Stein gemeisselt, weil dort bereits Stein ist. Ich wollte nichts hinzufügen oder wegnehmen. Ich dachte mir auch, dass wenn es gewittert oder regnet, dass es dann Wasser drin hat und dass es sich im Herbst füllt mit Blättern. Und das fand ich sehr schön, dass diese Schrift dann spiegelnd wahrnehmbar ist, also wenn sie mit Wasser gefüllt ist, dann wird sie heller, man wird den Himmel darin sehen und es wird ganz einen anderen Charakter haben als bei schönem Wetter, wenn es frisch geputzt ist. Dass es bleibt, dass man es nicht zerstören kann ist natürlich auch ein wichtiger Gedanke, den ich gerne angenommen habe.

Dann hast du mich noch gefragt, ob es ein Symbol sein soll für die Ewigkeit, für die Geschichte. Also ja, es soll ein Denkmal sein für die Vorstadtkatastrophe. Und es soll Bestand haben. Es geht nicht um ein kurzes Gefühl, sondern wie gesagt, der Grundimpuls oder Grundauftrag war ein Monument zu schaffen.

Also die Sage der Seejungfrau kenne ich nicht. Aber sie kommt mir sehr entgegen, weil im See hat es nicht nur versunkene Häuser, sondern es hat auch Lebewesen drin – Fische und Pflanzen, und Algen – und ganz viele Gedanken vielleicht auch die versunken sind, oder Vorstellungen oder Geschichten. Alles was sich so rankt um diesen Ort, um diese Ewigkeit – welches ein grosses Wort, ein langes Wort ist, aber sicher um die Geschichte der Menschen die an diesem Ort gewohnt haben und vielleicht dort wohnen werden.

Ich habe heute noch Freude an dieser Arbeit, weil ich glaube, dass sie funktioniert. Man muss sie auch nicht als Kunst erkennen, kommt gar nicht darauf an. Und ich habe das Gefühl, oder ich hoffe, dass sie gewisse Leute berührt. Und dass diejenigen, die sie nicht berührt, auf jeden Fall nicht stört.

Ja, ich hoffe ich habe dir jetzt geantwortet auf die Fragen, die du hattest. Ich wünschte mir dich mal zu treffen. Ich bin wirklich beeindruckt, was du gesehen hast, was du weisst, was du erzählt hast. Und ich fände es wunderschön, wenn wir uns mal in Zug treffen könnten.

Ciao Alicia!

°°

"ART'S COOL" oder "Art is cool"!

Dies ist eine Begegnung mit einem zeitgenössischen Kunstwerk in der Schweiz, betrachtet, erkundet, und hinterfragt von jungen Menschen. Auf die Fragen der Jugendlichen geben wiederum die Künstlerin oder der Künstler auf ihre Weise eine Antwort. Ganz einfach, nicht?

Heute ging es um das Werk "In Gedanken versunken" von Andrea Wolfensberger, untersucht vom neugierigen Blick von Alicia.

Verpasse nicht das Kunstwerk in Wirklichkeit selber zu entdecken, im Kunsthaus Zug.

Und sammle zeitgenössische Kunst mit deinen Ohren! Triff fast jede Woche auf eine neue Episode um deine eigene Sammlung zu komplettieren – jedes Mal mit einem anderen Fokus zu einem Kunstwerk in der Schweiz.

Du findest alle Portraits der jugendlichen Fans der zeitgenössischen Kunst, die Kurzbiographien der interviewten Künstlerinnen und Künstler und die Bilder der Werke auf der Webseite artscool.ch.

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Der Podcast ART’S COOL wird realisiert und ausgestrahlt mit der grosszügigen Unterstützung der Loterie Romande, Pro Helvetia, der Fondation Gandur pour la Jeunesse, der Ernst Göhner Stiftung, der Oertli-Stiftung, der Sandoz-Familienstiftung und dem Migros-Kulturprozent.

Mit der Stimme von Florence Grivel in der französischen Version und Stephan Kyburz in der deutschen Version.
Musik and Sounddesign von Christophe Gonet.

Dies ist eine Produktion Young Pods.