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Kleo / Lotta & Luigi Archetti

Neubau-Campus Brugg-Windisch der Fachhochschule Nordwestschweiz: Kleo und Lotta begegnen dem Werk "Cluster" von Luigi Archetti. Sie fragen sich, ob Luigi Archetti an Heavy-Metall oder Rockmusik gedacht hat, als er das Werk geschaffen hat.
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MINIPORTRÄT DER / DES JUGENDLICHEN

Name: Kleo & Lotta
Alter: 14 & 15 Jahre

Deine/Ihre Lieblingszeit? Kleo: Ein herbstlicher, regnerischer Nachmittag. / Lotta: im Frühling am Morgen, wenn man merkt, dass es schön warm wird..
Was ist der Duft der Freude? Kleo: Weihnachstduft mit Zimt, frischen Guetzli und Schnee. / Lotta: die Natur, Gras, Bäume, der Wind der Nase.
Was ist dein/Ihr Lieblingsversteck? Kleo: Bei Menschen, die mir wichtig sind und die gerne habe. / Lotta: Beim Cello spielen, oder Musik hören.

MINIPORTRÄT DER / DES JUGENDLICHEN

Name: Kleo & Lotta
Alter: 14 & 15 Jahre

Deine/Ihre Lieblingszeit? Kleo: Ein herbstlicher, regnerischer Nachmittag. / Lotta: im Frühling am Morgen, wenn man merkt, dass es schön warm wird..
Was ist der Duft der Freude? Kleo: Weihnachstduft mit Zimt, frischen Guetzli und Schnee. / Lotta: die Natur, Gras, Bäume, der Wind der Nase.
Was ist dein/Ihr Lieblingsversteck? Kleo: Bei Menschen, die mir wichtig sind und die gerne habe. / Lotta: Beim Cello spielen, oder Musik hören.

MINIPORTRÄT DES KÜNSTLERS / DER KÜNSTLERIN

Name: Luigi Archetti
Geburtsjahr: (*1955)

Deine/Ihre Lieblingszeit? Der frühe Morgen.
Was ist der Duft der Freude? Die Natur, der Wald, frisch gemähtes Heu.
Was ist dein/Ihr Lieblingsversteck? Mein Atelier, da bin ich gerne und sehr häufig.

Cluster_LuigiArchetti

Luigi Archetti, Cluster2013 © Luigi Archetti. Fotos: René Rötheli

Künstler*in: Luigi Archetti (*1955)
Titel des Werks: Cluster
Jahr: 2013
Technik: Installation (92 E-Gitarren aus Gips, Drahtseile, Kabel, Acryl auf Wand)
Dimensionen: Ca. 15 m x 10 m x 5 m
Ausstellungsort: Neubau-Campus Brugg-Windisch der Fachhochschule Nordwestschweiz, Kanton Aargau.

MINIPORTRÄT DES KÜNSTLERS / DER KÜNSTLERIN

Name: Luigi Archetti
Geburtsjahr: (*1955)

Deine/Ihre Lieblingszeit? Der frühe Morgen.
Was ist der Duft der Freude? Die Natur, der Wald, frisch gemähtes Heu.
Was ist dein/Ihr Lieblingsversteck? Mein Atelier, da bin ich gerne und sehr häufig.

Transkript der Episode

Hallo zusammen, ich bin Lotta, ich fünfzehn Jahre alt und ich komme aus Brugg im Aargau. Kunst ist für mich, wenn man etwas aussagen kann ohne Worte.

 

Hallo, ich bin Kleo, ich bin vierzehn, und ich komme auch aus Brugg. Und Kunst ist für mich etwas sehr individuelles, das jeder für sich selber interpretieren kann.

 

LOTTA: Wir sind hier an der Fachhochschule in Windisch vor dem Eingang. Wir gehen jetzt hinein das Kunstwerk anschauen.

KLEO: Wir sind ein Stockwerk hoch gestiegen und einen Gang nach hinten, und wir stehen jetzt vor dem Kunstwerk. Oder besser gesagt, unter dem Kunstwerk. Es hängen hier in der Luft ganz viele weisse Gitarren, mit einem schwarzen Punkt darauf. Und sie sind alle verbunden mit einem grossen schwarzen Punkt an der Wand.

LOTTA: Alle Gitarren zeigen mit dem Hals in Richtung des schwarzen Punktes. Alle in die gleiche Richtung. Es sind E-Gitarren und sie sind mit Kabel in der Wand befestigt, mit so langen schwarzen Kabel. Wir sind jetzt nochmals ein Stockwerk hochgestiegen und stehen jetzt einen Meter vor dem Kunstwerk. Der Raum ist sehr hoch und sie hängen von ganz oben bis auf fünf Meter, hängen sie überall diese Gitarren. Und wahrscheinlich sind sie aus Gips. Und das Fenster oben ist aus Glas und es ist sehr hell und offen, aber es hallt mega.

KLEO: Also wir stehen hier wie auf einem Balkon und rund herum hat es überall viele Fenster und Glas.

LOTTA: Weil es überall weisse Wände hat und die Gitarren auch weiss sind, wirkt es sehr klinisch und steril.

KLEO: Das Kunstwerk heisst “Cluster” und es ist von Luigi Archetti gemacht worden.

LOTTA: Es befindet sich im Neubau vom Campus in Brugg Windisch der Fachhochschule Nordwestschweiz.

KLEO: 2012 ist das Werk entstanden.

LOTTA: Es besteht aus 92 E-Gitarren, die aus Gips hergestellt sind. Sie sind mit Drahtseil und Kabel zusammengebunden und es hat einen Akrylpunkt an der Wand.

KLEO: Das Werk ist geschätzte 10 Meter breit und 15 Meter hoch. Jetzt hätten wir noch einige Fragen an den Künstler Luigi Archetti.

LUIGI ARCHETTI: Hoi Kleo, hoi Lotta, hier ist Luigi Archetti. Herzlichen Dank für die Neugierde, die ihr vor meinem Werk entwickelt habt, vor dem “Cluster”. Und das freut mich sehr, dass hier überhaupt vier Augen so genau darauf geschaut haben.

LOTTA: Was meinst du genau damit, was willst du uns mit diesem Werk sagen? Was für ein Gefühl hattest du, als du das Werk gemacht hast.

LUIGI ARCHETTI: Die Arbeit heisst “Cluster” und Cluster ist nichts anderes als eine Ballung von ganz vielen Tönen. Ich müsst euch dies so vorstellen wie wenn man bei einem Klavier mit beiden Unterarmen auf die Tasten drückt. Das erzeugt natürlich einen unglaublichen Klang, einen vielschichtigen Klang mit ganz vielen Obertönen und ein sehr faszinierendes Ding. Aber es ist auch ein gewaltiger Klang, in dem Sinn auch ein raumfüllender Klang. Also ich hatte mir vorgestellt die Klänge, das sei so wie ein Schwarm, wie ein Schwarm von Fischen oder Vögeln, oder eben Gitarren. Einfach ein Schwarm von unzähligen Dingen, die klingen, was ein unglaubliches Gefühl vermittelt von Klang. Und dann habe ich mir gesagt: Okay, es müssen 100 Gitarren sein. Zuerst wollte ich 100 Fender-Stratocaster-Gitarren kaufen. Aber das hätte natürlich das Budget total gesprengt. Und darum bin ich auch darauf gekommen Gips-Gitarren. Ganz schwierig ist, was hatte ich für ein Gefühl, als ich dieses Werk erstellt hatte. Ja also eigentlich kein Gefühl, muss ich ganz ehrlich sagen, sondern viel mehr ein Interesse, viel mehr eine Neugierde, vielmehr auch etwas zu forschen, das meine Arbeit sowieso ausmacht. Ich bewege mich ja mit meiner künstlerischen Praxis stark in der Schnittstelle zwischen visueller Kunst und der Musik, Klang. Ich mache auch beides. Ich war lange Gitarrist, oder ich bin immer noch Gitarrist und entwickle auch rein musikalische Sachen. Ich habe mit Bands gespielt oder alleine, eher im Bereich von experimenteller Musik. Aber die elektrische Gitarre ist stark im Zentrum, und sie wird es auch bleiben. Weil ich bin sehr fasziniert war von diesem Instrument als Klangerzeuger. Was man da für Klänge rausholen kann aus dieser Gitarre.

LOTTA: Also wenn ich dieses Kunstwerk sehe, dann denke ich so an Heavy-Metall-Rockmusik. Hast du auch an eine solche Musik gedacht, als du dies hergestellt hast? Oder hast du überhaupt an Musik gedacht?

LUIGI ARCHETTI: Das ist sehr schön, dass man an Heavy-Metall oder Rockmusik denkt, wenn man das Werk anschaut. Weil für mich ist Rockmusik, insbesonder Rockmusik – Heavy-Metall teilweise, ja, interessant, vor allem auch diese Energie, die drin ist, die Lautstärke, die auch drin ist, finde ich natürlich sehr faszinizerend – aber ich bin natürlich ein Kind der 60er, 70er Jahre, und dort hatte Rockmusik natürlich einen grossen Stellenwert in meiner Entwicklung. Es ist nicht das Denken an Musik, sondern es ist auch eine Gleichzeitigkeit. Also wenn ich etwas Visuelles mache, dann ist mein Kopf oder meine Gedanken sehr musikalisch. Also das was ich zeichne, oder das, was ich visuell entwickle ist eigentlich ein Weiterdenken von dem, was ich musikalisch im Kopf denke und vice versa. Es gibt ja dieses synästhetische Programm. Und wenn du eine gelbe Farbe siehst, zum Beispiel, dann hast du vielleicht einen bestimmten musikalischen Gedanken, oder du hörst einen bestimmten Ton. Jemand anderes hört aber einen ganz anderen Ton, und so weiter. Das ist eben sehr individuell geprägt. Was mich aber daran interessiert, ist aber, dass man so eine Gleichzeitigkeit herstellen kann. Also eine Art Transfer, also die gelbe Farbe, jetzt als Beispiel, wird zum Transfer zu etwas anderem, das eigentlich nicht in der gelben Farbe drin ist. Also ein ständiges Wegbewegen vom eigentlichen Ding, das du siehst. Also eben, du siehst eine gelbe Farbe, aber du denkst vielleicht total musikalisch, in einer musikalischen Sphäre oder einem Ton drin. Es evoziert einen Ton. Und diesen Aspekt vom Transfer, dieser Aspekt vom Weggehen, von dem was du siehst, sondern in das hineinsteigen, was du hinein projizierst, das interessiert mich sehr.

KLEO: Ist es Zufall, dass es genau 92 Gitarren sind? Oder hat dies einen Hintergedanken?

LUIGI ARCHETTI: Wie gesagt, ich wollte ja ursprünglich 100 Gitarren, ist leider – also was heisst leider, es war einfach technisch nicht möglich, weil, wie ihr gesehen habt , die Gitarren hängen ja an einem Gitterrost, und dieser muss ein bestimmte Grösse haben. Und das Ganze muss man ja, das war recht kompliziert, diese 92 Gitarren überhaupt so hoch hinauf zu bringen, mit einem Lift. Also das wirklich sehr komplexe Angelegenheit. Das habe ich natürlich am Anfang völlig unterschätzt. Und erst während der Umsetzung von diesem Werk ist man mit diesen technischen Fragen oder auch technischen Grenzen konfrontiert. Und darum eben 92 Gitarren.

LOTTA: Warum sind es E-Gitarren und nicht zum Beispiel klassische Gitarren?

LUIGI ARCHETTI: Es müssen E-Gitarren sein und eben nicht klassische Gitarren. Weil E-Gitarren, das ist ein Instrument, das im 20. Jahrhundert erfunden worden ist, also eher in den 30er, 40er Jahren. Vor allem auch eben in meiner Zeit war die E-Gitarre natürlich auch ein Zeichen, ein Symbol der wilden Musik, der Rockmusik, einer Musik, die eigentlich einen Widerstand erzeugt hat gegenüber der musikalischen Welt, die damals vorgeherrscht hat. Damals war eine E-Gitarre wirklich ein Zeichen, ein Symbol des Widerstands, es anders zu machen, als das, was ihr da erwartet und so weiter. Und das hat mir schon sehr imponiert. Ich mag mich erinnern, als ich das erste Mal im Fernsehen Jimmy Hendricks gesehen habe, da war ich dreizehn Jahre alt, das hat mich umgehauen. Ich dachte, was macht dieser Mensch mit dieser Gitarre? Das ist ja der Wahnsinn. Und dies war sehr prägend. Und darum in diesem Werk “Cluster”, eben nicht klassische Gitarren, sondern es müssen E-Gitarren sein und, ich habe diese so definiert, es müssen Fender-Stratocaster-Gitarren sein.

LOTTA: Gibt es einen Grund warum die Gitarren alle in die gleiche Richtung zum schwarzen Punkt zeigen? Oder hätte man sie auch kreuz und quer irgendwo aufhängen können?

LUIGI ARCHETTI: Die Gitarren, die schauen alle in die gleiche Richtung. Das ist vollkommen richtig, was ihr da beobachtet habt. Und dies ist auch ganz wichtig, weil es hat auch wie eine Pfeilfunktion. Also der Schwarm, die Gitarren mit dem Hals, die schauen alle in die gleiche Richtung, und die Kabel der Gitarren sind jeweils immer an der schwarzen Ellipse angestöpselt. Und das Werk ist ja stumm, also es klingt nicht. Aber die Kabel sind genau so hineingesteckt, als würde man sie an einem Verstärker anschliessen. Und dies erzeugt natürlich beim Zuschauer, so hoffe ich zumindest, eine Art Assoziationsfeld, welches fragt, ob jetzt der ganze Raum als Resonanzkörper verstanden wird, oder wie ist das, klingen diese Gitarren manchmal? Es sind so Fragestellungen, so Spielereien auch, die der Zuschauer interpretieren darf, spielerisch interpretieren, wenn man das Werk sieht.

Ich hoffe, dass ihr Freude habt. Also Kleo, Lotta, nochmals herzlichen Dank für euer Engagement. Und tschüss, Ciao!

 

°°

ART'S COOL oder "Art is cool"!

Dies ist eine Begegnung mit einem zeitgenössischen Kunstwerk in der Schweiz, betrachtet, erkundet, und hinterfragt von jungen Menschen. Auf die Fragen der Jugendlichen geben wiederum die Künstlerin oder der Künstler auf ihre Weise eine Antwort. Ganz einfach, nicht?

In dieser zweiten Saison lädt unser Podcast dich ein, Werke ausserhalb der üblichen Ausstellungsorte zu besuchen, meistens im Freien! Fast jede Woche entdecken wir gemeinsam eine künstlerische Schöpfung, die irgendwo in der Schweiz im öffentlichen Raum zu finden ist.

Heute ging es um Cluster von Luigi Archetti, untersucht vom neugierigen Blick von Kleo und Lotta. Verpassen Sie es nicht, das Kunstwerk selbst zu sehen, im neuen Campus Brugg-Windisch der Fachhochschule Nordwestschweiz in Brugg, KantonAargau.

Sammle zeitgenössische Kunst mit deinen Ohren! Die Webseite artscool.ch/de präsentiert alle Episoden, die seit Herbst 2021 ausgestrahlt wurden. Eine vielfältige und wachsende Sammlung! Ausserdem findest du dort alle Portraits der jugendlichen Fans der zeitgenössischen Kunst, die Kurzbiographien der interviewten Künstlerinnen und Künstler und die Bilder der Werke.

Wenn Sie zur Verbreitung des ART'S COOL-Podcasts beitragen möchten, zögern Sie nicht, anderen davon zu erzählen, ihn zu abonnieren und ihm fünf Sterne auf Ihrer bevorzugten Hörplattform zu geben. Sie können uns auch auf Instagram folgen, unter dem Account young_pods.

Der Podcast ART’S COOL wird realisiert und ausgestrahlt mit der grosszügigen Unterstützung der Loterie Romande, dem Migros-Kulturprozent, der Oertli-Stiftung, der Sandoz-Familienstiftung, den Kantonen Aargau, Basel-Stadt, Bern, Genf, Glarus, Graubünden, Obwalden, Sankt Gallen, Solothurn, Thurgau, Waadt, Wallis, Zug, Zürich, und den Städten Winterthur, Yverdon-les-bains, Zug und Zürich.

Mit der Stimme von Florence Grivel in der französischen Version und Stephan Kyburz in der deutschen Version.
Musik and Sounddesign von Christophe Gonet.

Dies ist eine Produktion Young Pods.