{"id":2848,"date":"2024-03-21T15:03:54","date_gmt":"2024-03-21T14:03:54","guid":{"rendered":"https:\/\/artscool.ch\/?post_type=podcast&#038;p=2848"},"modified":"2024-10-04T12:23:15","modified_gmt":"2024-10-04T10:23:15","slug":"kleo-lotta-luigi-archetti","status":"publish","type":"podcast","link":"https:\/\/artscool.ch\/de\/podcast\/kleo-lotta-luigi-archetti\/","title":{"rendered":"Kleo \/ Lotta &amp; Luigi Archetti"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"padding-left: 40px;\"><b>Hallo zusammen, ich bin Lotta, ich f\u00fcnfzehn Jahre alt und ich komme aus Brugg im Aargau. Kunst ist f\u00fcr mich, wenn man etwas aussagen kann ohne Worte.<\/b><\/h3>\r\n<h3 style=\"padding-left: 40px;\"><strong>\u00a0<\/strong><\/h3>\r\n<h3 style=\"padding-left: 40px;\"><b>Hallo, ich bin Kleo, ich bin vierzehn, und ich komme auch aus Brugg. Und Kunst ist f\u00fcr mich etwas sehr individuelles, das jeder f\u00fcr sich selber interpretieren kann.<\/b><\/h3>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p><strong>LOTTA:<\/strong> Wir sind hier an der Fachhochschule in Windisch vor dem Eingang. Wir gehen jetzt hinein das Kunstwerk anschauen.<\/p>\r\n<p><strong>KLEO:<\/strong> Wir sind ein Stockwerk hoch gestiegen und einen Gang nach hinten, und wir stehen jetzt vor dem Kunstwerk. Oder besser gesagt, unter dem Kunstwerk. Es h\u00e4ngen hier in der Luft ganz viele weisse Gitarren, mit einem schwarzen Punkt darauf. Und sie sind alle verbunden mit einem grossen schwarzen Punkt an der Wand.<\/p>\r\n<p><strong>LOTTA:<\/strong> Alle Gitarren zeigen mit dem Hals in Richtung des schwarzen Punktes. Alle in die gleiche Richtung. Es sind E-Gitarren und sie sind mit Kabel in der Wand befestigt, mit so langen schwarzen Kabel. Wir sind jetzt nochmals ein Stockwerk hochgestiegen und stehen jetzt einen Meter vor dem Kunstwerk. Der Raum ist sehr hoch und sie h\u00e4ngen von ganz oben bis auf f\u00fcnf Meter, h\u00e4ngen sie \u00fcberall diese Gitarren. Und wahrscheinlich sind sie aus Gips. Und das Fenster oben ist aus Glas und es ist sehr hell und offen, aber es hallt mega.<\/p>\r\n<p><strong>KLEO:<\/strong> Also wir stehen hier wie auf einem Balkon und rund herum hat es \u00fcberall viele Fenster und Glas.<\/p>\r\n<p><strong>LOTTA:<\/strong> Weil es \u00fcberall weisse W\u00e4nde hat und die Gitarren auch weiss sind, wirkt es sehr klinisch und steril.<\/p>\r\n<p><strong>KLEO:<\/strong> Das Kunstwerk heisst \u201cCluster\u201d und es ist von Luigi Archetti gemacht worden.<\/p>\r\n<p><strong>LOTTA:<\/strong> Es befindet sich im Neubau vom Campus in Brugg Windisch der Fachhochschule Nordwestschweiz.<\/p>\r\n<p><strong>KLEO:<\/strong> 2012 ist das Werk entstanden.<\/p>\r\n<p><strong>LOTTA:<\/strong> Es besteht aus 92 E-Gitarren, die aus Gips hergestellt sind. Sie sind mit Drahtseil und Kabel zusammengebunden und es hat einen Akrylpunkt an der Wand.<\/p>\r\n<p><strong>KLEO:<\/strong> Das Werk ist gesch\u00e4tzte 10 Meter breit und 15 Meter hoch. Jetzt h\u00e4tten wir noch einige Fragen an den K\u00fcnstler Luigi Archetti.<\/p>\r\n<p><strong>LUIGI ARCHETTI:<\/strong> Hoi Kleo, hoi Lotta, hier ist Luigi Archetti. Herzlichen Dank f\u00fcr die Neugierde, die ihr vor meinem Werk entwickelt habt, vor dem \u201cCluster\u201d. Und das freut mich sehr, dass hier \u00fcberhaupt vier Augen so genau darauf geschaut haben.<\/p>\r\n<p><strong>LOTTA:<\/strong> Was meinst du genau damit, was willst du uns mit diesem Werk sagen? Was f\u00fcr ein Gef\u00fchl hattest du, als du das Werk gemacht hast.<\/p>\r\n<p><strong>LUIGI ARCHETTI:<\/strong> Die Arbeit heisst \u201cCluster\u201d und Cluster ist nichts anderes als eine Ballung von ganz vielen T\u00f6nen. Ich m\u00fcsst euch dies so vorstellen wie wenn man bei einem Klavier mit beiden Unterarmen auf die Tasten dr\u00fcckt. Das erzeugt nat\u00fcrlich einen unglaublichen Klang, einen vielschichtigen Klang mit ganz vielen Obert\u00f6nen und ein sehr faszinierendes Ding. Aber es ist auch ein gewaltiger Klang, in dem Sinn auch ein raumf\u00fcllender Klang. Also ich hatte mir vorgestellt die Kl\u00e4nge, das sei so wie ein Schwarm, wie ein Schwarm von Fischen oder V\u00f6geln, oder eben Gitarren. Einfach ein Schwarm von unz\u00e4hligen Dingen, die klingen, was ein unglaubliches Gef\u00fchl vermittelt von Klang. Und dann habe ich mir gesagt: Okay, es m\u00fcssen 100 Gitarren sein. Zuerst wollte ich 100 Fender-Stratocaster-Gitarren kaufen. Aber das h\u00e4tte nat\u00fcrlich das Budget total gesprengt. Und darum bin ich auch darauf gekommen Gips-Gitarren. Ganz schwierig ist, was hatte ich f\u00fcr ein Gef\u00fchl, als ich dieses Werk erstellt hatte. Ja also eigentlich kein Gef\u00fchl, muss ich ganz ehrlich sagen, sondern viel mehr ein Interesse, viel mehr eine Neugierde, vielmehr auch etwas zu forschen, das meine Arbeit sowieso ausmacht. Ich bewege mich ja mit meiner k\u00fcnstlerischen Praxis stark in der Schnittstelle zwischen visueller Kunst und der Musik, Klang. Ich mache auch beides. Ich war lange Gitarrist, oder ich bin immer noch Gitarrist und entwickle auch rein musikalische Sachen. Ich habe mit Bands gespielt oder alleine, eher im Bereich von experimenteller Musik. Aber die elektrische Gitarre ist stark im Zentrum, und sie wird es auch bleiben. Weil ich bin sehr fasziniert war von diesem Instrument als Klangerzeuger. Was man da f\u00fcr Kl\u00e4nge rausholen kann aus dieser Gitarre.<\/p>\r\n<p><strong>LOTTA:<\/strong> Also wenn ich dieses Kunstwerk sehe, dann denke ich so an Heavy-Metall-Rockmusik. Hast du auch an eine solche Musik gedacht, als du dies hergestellt hast? Oder hast du \u00fcberhaupt an Musik gedacht?<\/p>\r\n<p><strong>LUIGI ARCHETTI:<\/strong> Das ist sehr sch\u00f6n, dass man an Heavy-Metall oder Rockmusik denkt, wenn man das Werk anschaut. Weil f\u00fcr mich ist Rockmusik, insbesonder Rockmusik \u2013 Heavy-Metall teilweise, ja, interessant, vor allem auch diese Energie, die drin ist, die Lautst\u00e4rke, die auch drin ist, finde ich nat\u00fcrlich sehr faszinizerend \u2013 aber ich bin nat\u00fcrlich ein Kind der 60er, 70er Jahre, und dort hatte Rockmusik nat\u00fcrlich einen grossen Stellenwert in meiner Entwicklung. Es ist nicht das Denken an Musik, sondern es ist auch eine Gleichzeitigkeit. Also wenn ich etwas Visuelles mache, dann ist mein Kopf oder meine Gedanken sehr musikalisch. Also das was ich zeichne, oder das, was ich visuell entwickle ist eigentlich ein Weiterdenken von dem, was ich musikalisch im Kopf denke und vice versa. Es gibt ja dieses syn\u00e4sthetische Programm. Und wenn du eine gelbe Farbe siehst, zum Beispiel, dann hast du vielleicht einen bestimmten musikalischen Gedanken, oder du h\u00f6rst einen bestimmten Ton. Jemand anderes h\u00f6rt aber einen ganz anderen Ton, und so weiter. Das ist eben sehr individuell gepr\u00e4gt. Was mich aber daran interessiert, ist aber, dass man so eine Gleichzeitigkeit herstellen kann. Also eine Art Transfer, also die gelbe Farbe, jetzt als Beispiel, wird zum Transfer zu etwas anderem, das eigentlich nicht in der gelben Farbe drin ist. Also ein st\u00e4ndiges Wegbewegen vom eigentlichen Ding, das du siehst. Also eben, du siehst eine gelbe Farbe, aber du denkst vielleicht total musikalisch, in einer musikalischen Sph\u00e4re oder einem Ton drin. Es evoziert einen Ton. Und diesen Aspekt vom Transfer, dieser Aspekt vom Weggehen, von dem was du siehst, sondern in das hineinsteigen, was du hinein projizierst, das interessiert mich sehr.<\/p>\r\n<p><strong>KLEO:<\/strong> Ist es Zufall, dass es genau 92 Gitarren sind? Oder hat dies einen Hintergedanken?<\/p>\r\n<p><strong>LUIGI ARCHETTI:<\/strong> Wie gesagt, ich wollte ja urspr\u00fcnglich 100 Gitarren, ist leider \u2013 also was heisst leider, es war einfach technisch nicht m\u00f6glich,  weil, wie ihr gesehen habt ,  die Gitarren h\u00e4ngen ja an einem Gitterrost, und dieser muss ein bestimmte Gr\u00f6sse haben. Und das Ganze muss man ja, das war recht kompliziert, diese 92 Gitarren \u00fcberhaupt so hoch hinauf zu bringen, mit einem Lift. Also das wirklich sehr komplexe Angelegenheit. Das habe ich nat\u00fcrlich am Anfang v\u00f6llig untersch\u00e4tzt. Und erst w\u00e4hrend der Umsetzung von diesem Werk ist man mit diesen technischen Fragen oder auch technischen Grenzen konfrontiert. Und darum eben 92 Gitarren.<\/p>\r\n<p><strong>LOTTA:<\/strong> Warum sind es E-Gitarren und nicht zum Beispiel klassische Gitarren?<\/p>\r\n<p><strong>LUIGI ARCHETTI:<\/strong> Es m\u00fcssen E-Gitarren sein und eben nicht klassische Gitarren. Weil E-Gitarren, das ist ein Instrument, das im 20. Jahrhundert erfunden worden ist, also eher in den 30er, 40er Jahren. Vor allem auch eben in meiner Zeit war die E-Gitarre nat\u00fcrlich auch ein Zeichen, ein Symbol der wilden Musik, der Rockmusik, einer Musik, die eigentlich einen Widerstand erzeugt hat gegen\u00fcber der musikalischen Welt, die damals vorgeherrscht hat. Damals war eine E-Gitarre wirklich ein Zeichen, ein Symbol des Widerstands, es anders zu machen, als das, was ihr da erwartet und so weiter. Und das hat mir schon sehr imponiert. Ich mag mich erinnern, als ich das erste Mal im Fernsehen Jimmy Hendricks gesehen habe, da war ich dreizehn Jahre alt, das hat mich umgehauen. Ich dachte, was macht dieser Mensch mit dieser Gitarre? Das ist ja der Wahnsinn. Und dies war sehr pr\u00e4gend. Und darum in diesem Werk \u201cCluster\u201d, eben nicht klassische Gitarren, sondern es m\u00fcssen E-Gitarren sein und, ich habe diese so definiert, es m\u00fcssen Fender-Stratocaster-Gitarren sein.<\/p>\r\n<p><strong>LOTTA:<\/strong> Gibt es einen Grund warum die Gitarren alle in die gleiche Richtung zum schwarzen Punkt zeigen? Oder h\u00e4tte man sie auch kreuz und quer irgendwo aufh\u00e4ngen k\u00f6nnen?<\/p>\r\n<p><strong>LUIGI ARCHETTI:<\/strong> Die Gitarren, die schauen alle in die gleiche Richtung. Das ist vollkommen richtig, was ihr da beobachtet habt. Und dies ist auch ganz wichtig, weil es hat auch wie eine Pfeilfunktion. Also der Schwarm, die Gitarren mit dem Hals, die schauen alle in die gleiche Richtung, und die Kabel der Gitarren sind jeweils immer an der schwarzen Ellipse angest\u00f6pselt. Und das Werk ist ja stumm, also es klingt nicht. Aber die Kabel sind genau so hineingesteckt, als w\u00fcrde man sie an einem Verst\u00e4rker anschliessen. Und dies erzeugt nat\u00fcrlich beim Zuschauer, so hoffe ich zumindest, eine Art Assoziationsfeld, welches fragt, ob jetzt der ganze Raum als Resonanzk\u00f6rper verstanden wird, oder wie ist das, klingen diese Gitarren manchmal? Es sind so Fragestellungen, so Spielereien auch, die der Zuschauer interpretieren darf, spielerisch interpretieren, wenn man das Werk sieht.<\/p>\r\n<p>Ich hoffe, dass ihr Freude habt. Also Kleo, Lotta, nochmals herzlichen Dank f\u00fcr euer Engagement. Und tsch\u00fcss, Ciao!<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n\r\n<p>\u00b0\u00b0<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-small-font-size\">ART'S COOL oder \"Art is cool\"!<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-small-font-size\">Dies ist eine Begegnung mit einem zeitgen\u00f6ssischen Kunstwerk in der Schweiz, betrachtet, erkundet, und hinterfragt von jungen Menschen. Auf die Fragen der Jugendlichen geben wiederum die K\u00fcnstlerin oder der K\u00fcnstler auf ihre Weise eine Antwort. Ganz einfach, nicht?<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-small-font-size\">In dieser zweiten Saison l\u00e4dt unser Podcast dich ein, Werke ausserhalb der \u00fcblichen Ausstellungsorte zu besuchen, meistens im Freien! Fast jede Woche entdecken wir gemeinsam eine k\u00fcnstlerische Sch\u00f6pfung, die irgendwo in der Schweiz im \u00f6ffentlichen Raum zu finden ist.<\/p>\r\n<p class=\"has-small-font-size\"><span style=\"font-weight: 400;\">Heute ging es um <strong><em>Cluster<\/em><\/strong> von <a href=\"https:\/\/luigiarchetti.ch\"><strong>Luigi Archetti<\/strong><\/a>, untersucht vom neugierigen Blick von <strong>Kleo<\/strong> und <strong>Lotta<\/strong>. Verpassen Sie es nicht, das Kunstwerk selbst zu sehen, im neuen Campus Brugg-Windisch der Fachhochschule Nordwestschweiz in Brugg, Kanton<strong>Aargau<\/strong>.<\/span><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-small-font-size\">Sammle zeitgen\u00f6ssische Kunst mit deinen Ohren! Die Webseite <a href=\"https:\/\/artscool.ch\/de\/\"><strong>artscool.ch\/de<\/strong><\/a> pr\u00e4sentiert alle Episoden, die seit Herbst 2021 ausgestrahlt wurden. Eine vielf\u00e4ltige und wachsende Sammlung! Ausserdem findest du dort alle Portraits der jugendlichen Fans der zeitgen\u00f6ssischen Kunst, die Kurzbiographien der interviewten K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstler und die Bilder der Werke.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-small-font-size\">Wenn Sie zur Verbreitung des ART'S COOL-Podcasts beitragen m\u00f6chten, z\u00f6gern Sie nicht, anderen davon zu erz\u00e4hlen, ihn zu abonnieren und ihm f\u00fcnf Sterne auf Ihrer bevorzugten H\u00f6rplattform zu geben. Sie k\u00f6nnen uns auch auf Instagram folgen, unter dem Account <strong><a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/young_pods\/\">young_pods<\/a>.<\/strong><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-small-font-size\">Der Podcast ART\u2019S COOL wird realisiert und ausgestrahlt mit der grossz\u00fcgigen Unterst\u00fctzung der Loterie Romande, dem Migros-Kulturprozent, der Oertli-Stiftung, der Sandoz-Familienstiftung, den Kantonen Aargau, Basel-Stadt, Bern, Genf, Glarus, Graub\u00fcnden, Obwalden, Sankt Gallen, Solothurn, Thurgau, Waadt, Wallis, Zug, Z\u00fcrich, und den St\u00e4dten Winterthur, Yverdon-les-bains, Zug und Z\u00fcrich.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-small-font-size\">Mit der Stimme von Florence Grivel in der franz\u00f6sischen Version und Stephan Kyburz in der deutschen Version.<br \/>Musik and Sounddesign von Christophe Gonet.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-small-font-size\">Dies ist eine Produktion <a href=\"https:\/\/www.youngpods.ch\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><span style=\"text-decoration: underline;\"><strong>Young Pods<\/strong><\/span><\/a>.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>&nbsp;<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Neuer Campus Brugg-Windisch der Fachhochschule Nordwestschweiz: Kleo und Lotta treffen sich mit dem Werk \"Cluster\" von Luigi Archetti. 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