{"id":2544,"date":"2023-10-16T23:20:05","date_gmt":"2023-10-16T21:20:05","guid":{"rendered":"https:\/\/artscool.ch\/?post_type=podcast&#038;p=2544"},"modified":"2024-10-04T12:38:06","modified_gmt":"2024-10-04T10:38:06","slug":"lilli-markus-brenner","status":"publish","type":"podcast","link":"https:\/\/artscool.ch\/de\/podcast\/lilli-markus-brenner\/","title":{"rendered":"Lilli &amp; Markus Brenner"},"content":{"rendered":"<p class=\"has-small-font-size\">\u00a0<\/p>\r\n\r\n<h3 style=\"padding-left: 40px;\"><strong>Hoi zusammen, ich bin Lilli, bin sechzehn Jahre alt. Und ich wohne in Kreuzlingen.<\/strong><\/h3>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<h3 style=\"padding-left: 40px;\"><strong>F\u00fcr mich ist Kunst etwas Kreatives, um sich auszudr\u00fccken. Und man kann gut zeichnen, wenn es einem langweilig ist oder auch beim Lernen. Mir hilft das manchmal, mich zu konzentrieren.<\/strong><\/h3>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<h3 style=\"padding-left: 40px;\"><strong>Heute habe ich eine Begegnung von Markus Brenner in Kreuzlingen. Kommt ihr auch mit?<\/strong><\/h3>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p>Wir sind hier im Zentrum von Kreuzlingen bei der Praxis f\u00fcr Psychiatrie und Psychotherapie und stehen auf einem Platz neben einem Brunnen.<\/p>\r\n<p>Wir sind jetzt beim Kunstwerk angekommen und dieses steht auf einer kleinen Wiese und rundherum hat es einige B\u00e4ume und weiter hinten sieht man einen Wohnblock und die alte Psychiatrie. Das Wetter ist recht bew\u00f6lkt, aber die Sonne scheint etwas durch.<\/p>\r\n<p>Man sieht ein weisses Bett mit einem Kissen darauf. Und es scheint als w\u00e4re es aus Stein. Das Kissen hat eine Einw\u00f6lbung, so als w\u00e4re gerade ein Mensch dort gelegen. Als w\u00e4re es Morgen und der Mensch w\u00e4re gerade aufgestanden und das Bett w\u00e4re so hinterlassen worden. Es wirkt nicht sehr bequem, weil es hat auch keine Decke. Es steht in einer recht leeren Umgebung, also auf einer gr\u00fcnen Wiese, deshalb wirkt es ein Bisschen traurig.<\/p>\r\n<p>Das ist das Werk \u201cDie Couch\u201d von Markus Brenner. Das Werk befindet sich auf dem Bellevue-Areal in Kreuzlingen und es ist 2017 realisiert worden. Es ist eine Skulptur aus Beton und in der Nacht kann man eine Lichprojektion darauf sehen. Nur leider sind wir nun bei Tageslicht hier, deswegen sieht man die jetzt leider nicht.<\/p>\r\n<p>Jetzt habe ich noch einige Fragen an den K\u00fcnstler Markus Brenner.<\/p>\r\n<p><strong>MARKUS BRENNER:<\/strong> Hallo Lilli, hier ist der Markus Brenner. Sch\u00f6n, dass du \u201cDie Couch\u201d in Kreuzlingen besucht hast.<\/p>\r\n<p><strong>LILLI:<\/strong> Wie sind Sie auf die Idee gekommen, ein Bett einfach mitten in Kreuzlingen hinzustellen oder zu realisieren?<\/p>\r\n<p><strong>MARKUS BRENNER:<\/strong> Die Stadt Kreuzlingen hat im Jahr 2016 einen Kunstwettbewerb veranstaltet, um an eine bedeutende psychiatrische Klinik zu erinnern. Diese Heileinanstalt befand sich in einem Park in Kreuzlingen, dem sogenannten Bellevue-Areal. Und ich habe mit meiner Idee \u201cDie Couch\u201d den Wettbewerb gewonnen. Und so steht \u201cDie Couch\u201d heute neben dem historischen Verwaltungsgeb\u00e4ude der ehemaligen Klinik.<\/p>\r\n<p><strong>LILLI:<\/strong> Und wie sind Sie allgemein auf die Idee gekommen aus Beton eine Couch oder ein Bett zu fertigen.<\/p>\r\n<p><strong>MARKUS BRENNER:<\/strong> Ich beziehe mich mit meinem Kunstwerk auf das wohl ber\u00fchmteste Sofa der Welt, die Couch von Sigmund Freud. Sigmund Freud ist der Begr\u00fcnder der Psychoanalyse und seine Patienten lagen auf diesem Sofa w\u00e4hrend sie therapiert wurden. Die Couch wurde nicht zuletzt durch Hollywoodfilme zu dem Symbol schlechthin f\u00fcr psychische Behandlungen, auch wenn heute psychotherapeutische Sitzungen meistens auf einem Sessel stattfinden.<\/p>\r\n<p><strong>LILLI:<\/strong> Wieso genau an diesem Ort beim Bellevue-Areal, und nicht sonst irgendwo, wo man sich hinsetzen k\u00f6nnte in der Stadt, sondern etwas abgeschottet?<\/p>\r\n<p><strong>MARKUS BRENNER:<\/strong> Die psychiatrische Klinik auf dem Bellevue-Areal war riesengross und von hohen Hecken und B\u00e4umen umgrenzt. Die Patienten dort lebten abgeschottet in einer eigenen Welt, sehr weit weg vom Alltag in Kreuzlingen. Ausserdem wollte ich, dass meine Couch eher ein Ort zum Entspannen oder zum Tr\u00e4umen ist. Das passt also besser an einen idyllischen, ruhigen Ort.<\/p>\r\n<p><strong>LILLI:<\/strong> Warum haben Sie Ihr Werk \u201cCouch\u201d genannt, wenn es doch eher wie ein Bett aussieht.<\/p>\r\n<p><strong>MARKUS BRENNER:<\/strong> Die originale Therapiecouch von Sigmund Freud sieht nicht sehr chic aus, eher wie ein Bett, ein kurzes Bett, wo die Patienten mit dicken Kopfkissen gest\u00fctzt wurden. Charakteristisch f\u00fcr diese Couch war ein Orientteppich, der immer auf dem Sofa lag. Auch an der Wand neben dem Sofa hing eine Orientteppich. Es heisst, dass Sigmund Freud der Meinung war, die Orientteppiche w\u00fcrden eine Atmosph\u00e4re schaffen, in der seine Patienten freier und hemmungsloser von Ihren Phantasien erz\u00e4hlen konnten. Damals waren Orientteppiche viel exklusiver als heute und sie repr\u00e4sentieren eine m\u00e4rchenhaftes Image von 1001 Nacht. Die Originalcouch mit Orientteppich steht ausserdem heute im Freud-Museum in London.<\/p>\r\n<p>In Kreuzlingen wird der Teppich Nachts \u00fcber die Betonskulptur projeziert. Ich habe vom Museum in London vom originalen Teppich daf\u00fcr erhalten und mit Anbruch der Dunkelheit legt sich der Teppich \u00fcber die Couch und das Kunstwerk zeigt ein v\u00f6llig anderes Gesicht. Aus einem Bett aus Beton wird eine Lichtskulptur, die an die Couch von Sigmund Freud erinnert.<\/p>\r\n<p><strong>LILLI:<\/strong> Und wieso haben Sie das Bett aus Beton gemacht, aus einem harten Material und nicht aus einem weichen, damit man sich auf draufsetzen k\u00f6nnte und es bequem w\u00e4re.<\/p>\r\n<p><strong>MARKUS BRENNER:<\/strong> In der Kunst macht man h\u00e4ufig Dinge, die nicht naheliegend sind oder gar sinnvoll erscheinen \u2013 im Gegenteil. Auch unser Leben ist irgendwie so etwas zwischen hart und weich. In meiner k\u00fcnstlerischen Arbeit suche ich regelm\u00e4ssig nach paradoxen Zust\u00e4nden, die irgendwie nicht zueinander passen wollen.<\/p>\r\n<p>Abgesehen davon ist Beton ein tolles und robustes Material.<\/p>\r\n<p>Und auch Sigmund Freud wollte es seinen Patienten nicht allzu bequem machen: einschlafen sollten sie nicht.<\/p>\r\n<p>Liebe Lilli, bleib weiterhin offen und neugierig f\u00fcr die Kunst. Das w\u00e4re toll.<\/p>\r\n<p>Ganz herzliche Gr\u00fcsse!<\/p>\r\n\r\n<p>\u00b0\u00b0<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-small-font-size\">\"ART'S COOL\" oder \"Art is cool\"!<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-small-font-size\">Dies ist eine Begegnung mit einem zeitgen\u00f6ssischen Kunstwerk in der Schweiz, betrachtet, erkundet, und hinterfragt von jungen Menschen. Auf die Fragen der Jugendlichen geben wiederum die K\u00fcnstlerin oder der K\u00fcnstler auf ihre Weise eine Antwort. Ganz einfach, nicht?<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-small-font-size\">In dieser zweiten Saison l\u00e4dt unser Podcast dich ein, Werke ausserhalb der \u00fcblichen Ausstellungsorte zu besuchen, meistens im Freien! Fast jede Woche entdecken wir gemeinsam eine k\u00fcnstlerische Sch\u00f6pfung, die irgendwo in der Schweiz im \u00f6ffentlichen Raum zu finden ist.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-small-font-size\">Heute ging es um das Kunstwerk \"Die Couch\" von <a href=\"https:\/\/www.markusbrenner.com\">Markus Brenner<\/a>, untersucht vom neugierigen Blick von Lilli. Verpasse nicht, das Kunstwerk in Wirklichkeit selber zu entdecken, und zwar auf dem Bellevue-Areal in Kreuzlingen im Kantons Thurgau.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-small-font-size\">Sammle zeitgen\u00f6ssische Kunst mit deinen Ohren! Die Webseite <a href=\"https:\/\/artscool.ch\/de\/\"><strong>artscool.ch\/de<\/strong><\/a> pr\u00e4sentiert alle Episoden, die seit Herbst 2021 ausgestrahlt wurden. Eine vielf\u00e4ltige und wachsende Sammlung! Ausserdem findest du dort alle Portraits der jugendlichen Fans der zeitgen\u00f6ssischen Kunst, die Kurzbiographien der interviewten K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstler und die Bilder der Werke.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-small-font-size\">Falls du zur Verbreitung des Podcasts ART\u2019S COOL beitragen m\u00f6chtest, z\u00f6gere nicht\u2026 in deinem Umfeld dar\u00fcber zu sprechen, den Podcast auf deiner bevorzugten Plattform zu abonnieren und mit f\u00fcnf Sternen zu bewerten. Du kannst uns auch auf Instagram folgen unter dem Account <strong><a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/young_pods\/\">young_pods<\/a>.<\/strong><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-small-font-size\">Der Podcast ART\u2019S COOL wird realisiert und ausgestrahlt mit der grossz\u00fcgigen Unterst\u00fctzung der Loterie Romande, dem Migros-Kulturprozent, der Oertli-Stiftung, der Sandoz-Familienstiftung, den Kantonen Aargau, Basel-Stadt, Bern, Genf, Glarus, Graub\u00fcnden, Obwalden, Sankt Gallen, Solothurn, Thurgau, Waadt, Wallis, Zug, Z\u00fcrich, und den St\u00e4dten Winterthur, Yverdon-les-bains, Zug und Z\u00fcrich.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-small-font-size\">Mit der Stimme von Florence Grivel in der franz\u00f6sischen Version und Stephan Kyburz in der deutschen Version.<br \/>Musik and Sounddesign von Christophe Gonet.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-small-font-size\">Dies ist eine Produktion <a href=\"https:\/\/www.youngpods.ch\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><span style=\"text-decoration: underline;\"><strong>Young Pods<\/strong><\/span><\/a>.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>&nbsp;<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kreuzlingen, Bellevue: Lilli hat eine Verabredung mit dem Werk \"Die Couch\" von Markus Brenner. Sie fragt sich, warum die Skulptur aus Beton ist, wenn doch ein Sofa gem\u00fctlich sein sollte.<\/p>","protected":false},"featured_media":2545,"template":"","artist":[169],"canton":[153],"episode-":[111],"season":[82],"podcast-categories":[],"class_list":["post-2544","podcast","type-podcast","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","artist-markus-brenner","canton-thurgau","episode--episode-62","season-season-2"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/artscool.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/podcast\/2544","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/artscool.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/podcast"}],"about":[{"href":"https:\/\/artscool.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/podcast"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/artscool.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/podcast\/2544\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3045,"href":"https:\/\/artscool.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/podcast\/2544\/revisions\/3045"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/artscool.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2545"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/artscool.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2544"}],"wp:term":[{"taxonomy":"artist","embeddable":true,"href":"https:\/\/artscool.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/artist?post=2544"},{"taxonomy":"canton","embeddable":true,"href":"https:\/\/artscool.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/canton?post=2544"},{"taxonomy":"episode-","embeddable":true,"href":"https:\/\/artscool.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/episode-?post=2544"},{"taxonomy":"season","embeddable":true,"href":"https:\/\/artscool.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/season?post=2544"},{"taxonomy":"podcast-categories","embeddable":true,"href":"https:\/\/artscool.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/podcast-categories?post=2544"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}