{"id":2429,"date":"2023-02-23T16:44:29","date_gmt":"2023-02-23T15:44:29","guid":{"rendered":"https:\/\/artscool.ch\/?post_type=podcast&#038;p=2429"},"modified":"2024-10-04T12:57:12","modified_gmt":"2024-10-04T10:57:12","slug":"felix-judith-albert","status":"publish","type":"podcast","link":"https:\/\/artscool.ch\/de\/podcast\/felix-judith-albert\/","title":{"rendered":"Felix &amp; Judith Albert"},"content":{"rendered":"<p class=\"has-small-font-size\">\u00a0<\/p>\r\n\r\n<h3><strong>Hallo, ich bin Felix, 19 Jahre alt, und komme aus H\u00fcnikon in der N\u00e4he von Solothurn.<\/strong><\/h3>\r\n<h3>\u00a0<\/h3>\r\n<h3><strong>Kunst ist f\u00fcr mich etwas sehr Allt\u00e4gliches und Pers\u00f6nliches. Und es ist sehr beruhigend, wenn man sich in einem Kunstwerk verlieren kann und immer wieder neue Dinge entdeckt und so alles rundherum vergisst und in eine eigene Welt abtauchen kann.<\/strong><\/h3>\r\n<h3>\u00a0<\/h3>\r\n<h3><strong>Heute habe ich eine Begegnung mit dem Taufstein von Judith Albert. Kommt ihr auch mit?<\/strong><\/h3>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p><strong>FELIX:<\/strong> Ich stehe jetzt hier vor dem Haupteingang der St. Ursenkathedrale, auf der Treppe. Also es regnet und es ist ein bisschen kalt. Aber jetzt bin ich froh, dass ich hineingehen kann.<\/p>\r\n<p>Also wir gehen jetzt in die Kathedrale hinein. Wir gehen jetzt im linken Seitenschiff nach vorne. Es ist sehr ruhig. Es brennen einige Kerzen.<\/p>\r\n<p>Wir stehen jetzt vor dem Taufstein. Und er ist sehr cool gemacht. Es sieht so aus, als w\u00e4re ein grosses, weisses Leintuch \u00fcber einen grossen W\u00fcrfel gelegt worden. Es hat auch ein kleines Ornament darin, also einen Blumenkranz. Und man sieht die Falten und es ist auch sch\u00f6n gewellt. Aber es ist eben aus massivem Marmor. Und es sieht recht cool und modern aus.<\/p>\r\n<p>Auf den ersten Blick sieht es eigentlich sehr schlicht aus, und es f\u00e4llt gar nicht auf, aber wenn man es n\u00e4her betrachtet, dann sieht man, wie detailreich es ausgearbeitet wurde. Also man kann sogar die einzelnen Fasern des Stoffes erkennen. Und eben auch die Falten. Also es wirkt sehr leicht, obwohl es ein massiver Marmorw\u00fcrfel ist. Und es passt sehr gut mit dem Altar zusammen, der im gleichen Stil gemacht ist.<\/p>\r\n<p>Die Einrichtung \"\u00a0<em>l'ultima cena<\/em>\u00a0\u201d, wurde von der K\u00fcnstlerin Judith Albert in Zusammenarbeit mit Ueli Brauen, Gery Hofer und Doris W\u00e4lchli geschaffen. Das Werk befindet sich in der St. Ursenkathedrale und wurde 2012 realisiert. Das Werk ist aus Marmor gefertigt.<\/p>\r\n<p>Ich habe nun noch einige Fragen an Judith Albert.<\/p>\r\n<p>Es w\u00fcrde mich sehr interessieren, wie viel Arbeit dahinter steckt? Ob es ein spezielles Handwerk ist oder ob es allenfalls sogar eine maschinelle Unterst\u00fctzung gegeben hat bei dem Projekt? Weil es sehr, sehr filigran wirkt.<\/p>\r\n<p>Und ich frage mich auch, wie man auf die Idee gekommen, aus einem schweren Material wie Marmor etwas derart optisch leichtes herzustellen? Diese Optik, wie ist die entstanden?<\/p>\r\n<p><strong>JUDITH ALBERT:<\/strong> Hallo Felix, hier ist Judith. Sch\u00f6n, dass du dir die Zeit genommen hast, dich mit unserem Taufstein der Chorraumgestaltung auseinanderzusetzen.<\/p>\r\n<p>Ich habe ein Jahr in Genua gelebt und dort befindet sich der riesige Friedhof Staglieno. Dort gibt es ganz spektakul\u00e4re Grabdenkm\u00e4ler \u2013 sehr viel aus Marmor und Darstellungen von Stoff und Tuch und Falten, die man \u00fcberall dort findet. Ich war damals mehrmals auf dem Friedhof und habe sehr viel fotografiert.<\/p>\r\n<p>Und als dann die Einladung zu dem Wettbewerb zur neuen Chorraumgestaltung gekommen ist, dann habe ich mich an meine Fotos erinnert. Und schon gleich zu Beginn war der Gedanke, dass eine solche []-Darstellung, wie ich sie auf dem Friedhof gesehen habe, oder eine Umsetzung aus dem harten Material, das allerdings optisch weich erscheint, ein Thema sein k\u00f6nnte. Diese Spannweite vom Harten zum Weichen hat mich interessiert.<\/p>\r\n<p>Die gesamte Chorraumgestaltung muss man als ein Ganzes lesen. Wir haben dann auch beim Altar angefangen. Und wenn man an das Abendmahl und an Stoff denkt, so ist uns gleich die weltbekannte Darstellung von Leonardo Da Vinci \u201cl\u2019ultima cena\u201d, das letzte Abendmahl, in den Sinn gekommen. Auf diesem Fresko aus 1494 findet das Abendmahl an einem Tisch statt, das mit einem weissen Tischtuch gedeckt ist. Bald wurde klar, dass der Altar das Herzst\u00fcck unserer Chorraumgestaltung, also ein Zitat an dieses ber\u00fchmte Bild werden soll. Wir haben dann den Gedanken des einfachen, reinen, weissen Leinentuch fortgesetzt, und der umh\u00fcllt jetzt auch unseren Taufstein.  Die Blumenranke besteht aus acht-bl\u00e4ttrigen Blumen, weil die Zahl 8 findet man bereits an ganz alten Tauforten. Und Acht steht f\u00fcr einen gl\u00fccklichen Anfang.<\/p>\r\n<p>Die Herstellung dieser Marmorarbeiten ist das klassische Handwerk eines Steinbildhauers. Und in unserem Fall auch noch im Zusammenspiel mit modernster Technik. Wir haben alle Arbeiten mit dem Stein mit einem Steinbildhaueratelier in Carrara realisiert. Vom Altar und auch vom Taufstein haben wir ein 1:1 Modell aus Ton hergestellt. Weil der weiche Ton hat es uns erlaubt, solange an den Falten zu schaffen und zu formen, bis es unseren Vorstellungen entsprochen hat. Anschliessend wurde vom Modell ein 3D-Scan gemacht. Nachher hat eine CNC-Maschine den Marmorblock in die grobe Form geschnitten. Der Altar und auch der Taufstein sind aus je einem Block gefertigt und einige Tonnen schwer.<\/p>\r\n<p>Der Blumenkranz, der aussieht wie er gestickt w\u00e4re, die Falten und auch die Tuchstruktur waren alles Handarbeit. Du musst dir vorstellen, dass jede Linie von dieser Tuchimitation einzeln gezogen worden ist.<\/p>\r\n<p><strong>FELIX:<\/strong> Also ich frage mich auch noch, ob der Glaube eine wichtige Rolle gespielt hat oder ob dieser eine Inspirationsquelle war?<\/p>\r\n<p><strong>JUDITH ALBERT:<\/strong> Aus meiner Kindheit sind mir die Rituale aus der katholischen Kirche vertraut und dies hat mir sicher den Zugang erleichtert zu dieser komplexen Aufgabenstellung. Die St. Ursenkathedrale ist ein geschichtstr\u00e4chtiges Geb\u00e4ude. Architekten und Kunstschaffende haben schon lange vor uns in den vergangenen Jahrhunderten diese aussergew\u00f6hnliche Kirche geformt und gestaltet. So haben wir geschaut, welche Materialen sind bereits vorhanden, wo kann man ankn\u00fcpfen, mit einer Haltung und mit Techniken von heute. Unsere Chorraumgestaltung ist schlussendlich ein Pixel in dieser Zeitspur.<\/p>\r\n<p><strong>FELIX:<\/strong> Ich frage mich auch, ob ihr vielleicht auf Widerstand gestossen seid, oder ob ihr Angst hattet, ein so modernes Kunstwerk in einen religi\u00f6sen und eigentlich altmodischen Bau zu stellen? Und ob ihr Schwierigkeiten hattet bei der Realisation des Projekts?<\/p>\r\n<p><strong>JUDITH ALBERT:<\/strong> Also viel zu Reden gab der Boden im Chorraum, den wir invertiert haben. Er ist jetzt mehrheitlich schwarz mit kleinen, hellen Feldern. Und dies hat nicht allen auf Anhieb gefallen. Das hat zu vielen Diskussionen gef\u00fchrt und war sogar ein Zeitungsbericht wert.<\/p>\r\n<p>Ja, Felix, jetzt hoffe ich, dass ich dir einen kleinen Einblick in die Entstehen dieses Werkes geben konnte. Und w\u00fcnsche dir auch in Zukunft spannende Begegnungen mit Kunst.<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n\r\n<p class=\"has-small-font-size\">\u00b0\u00b0<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-small-font-size\">ART'S COOL oder \"Art is cool\"!<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-small-font-size\">Dies ist eine Begegnung mit einem zeitgen\u00f6ssischen Kunstwerk in der Schweiz, betrachtet, erkundet, und hinterfragt von jungen Menschen. Auf die Fragen der Jugendlichen geben wiederum die K\u00fcnstlerin oder der K\u00fcnstler auf ihre Weise eine Antwort. Ganz einfach, nicht?<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-small-font-size\">In dieser zweiten Saison l\u00e4dt unser Podcast dich ein, Werke ausserhalb der \u00fcblichen Ausstellungsorte zu besuchen, meistens im Freien! Fast jede Woche entdecken wir gemeinsam eine k\u00fcnstlerische Sch\u00f6pfung, die irgendwo in der Schweiz im \u00f6ffentlichen Raum zu finden ist.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-small-font-size\">Heute ging es um <strong><em>L'ultima cena<\/em><\/strong> von <a href=\"https:\/\/www.judithalbert.ch\/\"><strong>Judith Albert<\/strong><\/a>, untersucht vom neugierigen Blick von <strong>Felix<\/strong>. Verpasse nicht das Kunstwerk in Wirklichkeit selber zu entdecken, und zwar in <strong>Solothurn<\/strong>, in der <strong>St. Ursenkathedrale<\/strong>.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-small-font-size\">Sammle zeitgen\u00f6ssische Kunst mit deinen Ohren! Die Webseite <a href=\"https:\/\/artscool.ch\/de\/\"><strong>artscool.ch\/de<\/strong><\/a> pr\u00e4sentiert alle Episoden, die seit Herbst 2021 ausgestrahlt wurden. Eine vielf\u00e4ltige und wachsende Sammlung! Ausserdem findest du dort alle Portraits der jugendlichen Fans der zeitgen\u00f6ssischen Kunst, die Kurzbiographien der interviewten K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstler und die Bilder der Werke.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-small-font-size\">Falls du zur Verbreitung des Podcasts ART\u2019S COOL beitragen m\u00f6chtest, z\u00f6gere nicht\u2026 in deinem Umfeld dar\u00fcber zu sprechen, den Podcast auf deiner bevorzugten Plattform zu abonnieren und mit f\u00fcnf Sternen zu bewerten. Du kannst uns auch auf Instagram folgen unter dem Account <strong><a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/young_pods\/\">young_pods<\/a>.<\/strong><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-small-font-size\">Der Podcast ART\u2019S COOL wird realisiert und ausgestrahlt mit der grossz\u00fcgigen Unterst\u00fctzung der Loterie Romande, dem Migros-Kulturprozent, der Oertli-Stiftung, der Sandoz-Familienstiftung, den Kantonen Aargau, Basel-Stadt, Bern, Glarus, Obwalden, Sankt Gallen, Solothurn, Thurgau, Waadt, Zug, Z\u00fcrich, und den St\u00e4dten Winterthur, Yverdon-les-bains, Zug und Z\u00fcrich.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-small-font-size\">Mit der Stimme von Florence Grivel in der franz\u00f6sischen Version und Stephan Kyburz in der deutschen Version.<br \/>Musik and Sounddesign von Christophe Gonet.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-small-font-size\">Dies ist eine Produktion <a href=\"https:\/\/www.youngpods.ch\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><span style=\"text-decoration: underline;\"><strong>Young Pods<\/strong><\/span><\/a>.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Solothurn, St.-Ursen-Kathedrale: Felix hat eine Verabredung mit Judith Alberts \"L'ultima cena\". 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